author: dr. max-joseph kraus
Zuletzt geändert am: 18.06.2001 21:17
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Die Vielen

Sonntag am frühen Morgen. Kein Mensch zu sehen, die Straßen leer. Noch schlafen sie. Noch ruhen sie.

"Wissen sie eigentlich wie viele ihren Job gerne machen würden?"

Beim Bäcker stehen sie schon Schlange. "Sechs Brötchen und die Bild, bitte."

Das kollektive Erwachen beginnt. Bald strömen sie wieder. Raus aus ihren Bunkern. Bevölkern Straßen, Plätze, Landschaften. Sind überall, waren überall, kein Platz sicher.

"Gestern starben 15.000 bei einem Erdbeben."

Jetzt sind sie wach. Ich bin zu Hause geblieben. In meinem Bunker. In meinem Rest Individualität.

"276 Menschen nach Flugzeugabsturz vermißt."

Morgen muß ich wieder los. Arbeit suchen. Nicht so leicht bei dem Andrang. Wollen denn alle das gleiche tun wie ich?

"Die 6 Milliarden sind voll."

Ich will arbeiten können. Ich will leisten dürfen. An einem Ort meiner Wahl.

"Bei uns kommen auf jeden Arbeitsplatz 70 Bewerber."

Wollt ihr mich nicht? Ich will aber. Darf ich das nicht?

Ich will leben. Mein Leben leben.

"Flugzeuge der Bundeswehr haben Lebensmittel für 25.000 Flüchtlinge abgeworfen."

Alle wollen leben. Ich bin da nicht alleine. Das bestimmt nicht.

Sechs Milliarden. Unvorstellbar. Alle so wie ich. Zwei Beine, Kopf, zwei Arme. Und wollen Leben. Wollen sie sein. Wollen gut sein. Wollen ganz sein. Ich auch, verdammt!

"7.000 sterben bei Jahunderthochwasser."

Und sechs Milliarden wollen auch arbeiten. Und bald sind es auch sieben und dann acht. Gibt es Arbeit für acht Milliarden?

"40.000 Arbeitslose weniger als im letzten Jahr."

Sechs Milliarden sind sechstausend Millionen.

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