author: dr. max-joseph kraus
Zuletzt geändert am: 18.06.2001 21:17
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Schläge gegen Deutsche

Gestern war ich auf einer dieser nun schon fast legendären Bootsparties mit den beiden ungarischen Top-Djs Budai und Tommyboy.

Die laue Frühsommernacht auf einem Donauschiff zu verbringen ist allein schon ein Erlebnis, zusammen mit bester Stimmung und guter Musik wurde es ein unvergeßlicher Abend.

Es muß gegen 4 Uhr früh gewesen sein, als ich auf einem Rundgang über das Boot einen Menschen am Boden liegen sehe. Über ihn gebeugt eine Frau, sie tupft ihm das Gesicht, spricht ihm zu. Anfangs dachte ich noch an einen Betrunkenen, bei näherem Hinsehen fällt mir das viele Blut ins Auge, die Hose ganz verschmiert, die Reling blutig, das Gesicht dunkelrot.

Als angehender Arzt beginne ich mich um den 22-jährigen zu kümmern, er blutet aus Ohren, Nase und Mund, aus einer großen Kopfplatzwunde rinnt das Blut, der Arm scheint gebrochen zu sein, an der Brust Stiefelspuren.

Schon den ganzen Abend hindurch hatte eine Gruppe von jungen Ungarn die sonst so gute Stimmung getrübt. Mächtige Körper, kahlgeschorenen Köpfe und ein Drang zur Aggression. Tanzende werden grundlos angepöbelt, ein Stuhl über Bord geworfen, ich selbst gestoßen und als "Ausländer" beschimpft.

Keiner weiß genau, was passiert ist, der Nürnberger Lehrling Harald H. ist alleine auf die Bordtoillette gegangen, dort zum Opfer geworden.

In Ujpest haben wir dann kurz angelegt, der gerufene Notarzt bringt den jungen Deutschen in ein Krankenhaus, er schwebt nicht mehr in Lebensgefahr.

Kaum einer hat gesehen wie die Glatzköpfigen von Bord gegangen sind, als die Polizei dann viel später kam, waren sie schon lange fort. Getanzt wurde noch bis in den frühen Morgen, Harald H. liegt in einem Fünf-Bett-Zimmer und hofft noch diese Woche auf einen Rücktransprot in seine Heimat.

 

mjk 1998

 

 

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