Gestern war ich auf einer dieser nun schon fast legendären
Bootsparties mit den beiden ungarischen Top-Djs Budai und
Tommyboy.
Die laue Frühsommernacht auf einem Donauschiff zu verbringen
ist allein schon ein Erlebnis, zusammen mit bester Stimmung
und guter Musik wurde es ein unvergeßlicher Abend.
Es muß gegen 4 Uhr früh gewesen sein, als ich
auf einem Rundgang über das Boot einen Menschen am Boden
liegen sehe. Über ihn gebeugt eine Frau, sie tupft ihm
das Gesicht, spricht ihm zu. Anfangs dachte ich noch an einen
Betrunkenen, bei näherem Hinsehen fällt mir das
viele Blut ins Auge, die Hose ganz verschmiert, die Reling
blutig, das Gesicht dunkelrot.
Als angehender Arzt beginne ich mich um den 22-jährigen
zu kümmern, er blutet aus Ohren, Nase und Mund, aus einer
großen Kopfplatzwunde rinnt das Blut, der Arm scheint
gebrochen zu sein, an der Brust Stiefelspuren.
Schon den ganzen Abend hindurch hatte eine Gruppe von jungen
Ungarn die sonst so gute Stimmung getrübt. Mächtige
Körper, kahlgeschorenen Köpfe und ein Drang zur
Aggression. Tanzende werden grundlos angepöbelt, ein
Stuhl über Bord geworfen, ich selbst gestoßen und
als "Ausländer" beschimpft.
Keiner weiß genau, was passiert ist, der Nürnberger
Lehrling Harald H. ist alleine auf die Bordtoillette gegangen,
dort zum Opfer geworden.
In Ujpest haben wir dann kurz angelegt, der gerufene Notarzt
bringt den jungen Deutschen in ein Krankenhaus, er schwebt
nicht mehr in Lebensgefahr.
Kaum einer hat gesehen wie die Glatzköpfigen von Bord
gegangen sind, als die Polizei dann viel später kam,
waren sie schon lange fort. Getanzt wurde noch bis in den
frühen Morgen, Harald H. liegt in einem Fünf-Bett-Zimmer
und hofft noch diese Woche auf einen Rücktransprot in
seine Heimat.
mjk 1998